
Vorsicht Schwarzwild
Ein Schwein kommt selten allein
Wildschweine sind vor allem in der Dämmerung aktiv. Dann begeben sie sich auf Nahrungssuche. Um aus ihren Deckungen im Wald in die Altholzbestände mit der üppigen Nahrung zu gelangen, müssen sie oft Straßen überqueren. Damit steigt das Unfallrisiko – erst recht im Herbst mit seinen nassen und rutschigen Straßen. Eins ist dabei sicher: Ein Schwein kommt selten allein.Für Wildtiere stellen Straßen gefährliche Barrieren dar, die ihre natürlichen Wanderungen einengen. Verkehrsplaner versuchen zumindest an Autobahnen durch Talbrücken, Wildtierkorridore und so genannte Grünbrücken, Querungshilfen zu schaffen. Sie werden so platziert, dass auch Tiere mit großem Flächenanspruch gefahrlos zwischen den durch Fernstraßen getrennten Waldgebieten wechseln können. 35 solcher mindestens 50 Meter breiten dicht mit Büschen bepflanzten Grünbrücken gibt es an deutschen Autobahnen.
Doch die Gefahr von Wildwechsel auf Landstraßen lässt sich so nicht eindämmen. Hier heißt es für Verkehrsteilnehmer gerade in der dunklen Jahreszeit: wachsam sein, langsam und bremsbereit fahren sowie den Abstand zum Vordermann vergrößern. Viele Autofahrer sind jedoch trotz Wildwarnschildern am Straßenrand in Waldgebieten zu schnell unterwegs. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) empfiehlt, auf Strecken, auf denen vor Wildwechsel gewarnt wird, 70 km/h nicht zu überschreiten. Bei Regen, Schnee oder Nebel sollte das Tempo noch weiter gedrosselt werden.
Wildschweine sind gesellige Tiere. Sie leben meist in Gruppen, den so genannten "Rotten" zusammen. Für Wildschweine gilt daher – wie auch für Hirsche oder Rehe: Läuft ein Tier über die Straße, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass weitere Tiere folgen. Wer im Lichtstrahl der Scheinwerfer ein Wildtier sieht, sollte daher – mit Blick in den Rückspiegel – abbremsen und bremsbereit bleiben.
Das Jahr 2009 war wieder ein Mastjahr für Wildschweine, denn es gibt viele Eicheln und Bucheckern, also viel eiweißhaltiges Futter. Damit steigt auch die Population. Noch vor zehn Jahren gab es nur alle drei bis fünf Jahre ein Mastjahr. Das ist jetzt anders. Durch die warmen Frühlinge blühen die Waldbäume intensiver. Durch häufige Mastjahre nimmt auch die Zahl der Wildschweine zu.
Das zeigt auch die Unfallstatistik. Nach Angaben des ADAC ist die Zahl der Unfälle mit Schwarzwild seit 1975 um das Fünffache angestiegen. Laut Wildunfall-Statistik des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (DJV) starben auf deutschen Straßen im Herbst/Winter 2007/2008 23.500 Wildschweine – fast 40 Prozent mehr als in der Vorsaison. Die Gefahr von Wildunfällen ist in den Abend- und frühen Morgenstunden besonders groß: Mehr als 2.500 Verkehrsteilnehmer werden jährlich bei Wildunfällen verletzt.
Taucht ein Tier unmittelbar vor dem Auto auf, ist es besser, einen Zusammenprall in Kauf zu nehmen, als ein waghalsiges Ausweichmanöver zu riskieren. Denn die Unfallfolgen sind ungleich schlimmer, wenn das Fahrzeug ins Schleudern gerät, mit dem Gegenverkehr zusammenstößt oder von der Straße abkommt und womöglich gegen einen Baum prallt.




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