
Verkehrsfunk
So kommt der Stau ins Radio
Auf dem Bildschirm vor ihm erscheint ein rotes Fenster. Rot, das heißt eine Gefahrenmeldung. Olli Briesch, Moderator bei 1LIVE, unterbricht sofort das laufende Programm: "Achtung Autofahrer! Auf der A31 Gronau – Bottrop kommt Ihnen zwischen Kirchhellen und Gladbeck ein Fahrzeug entgegen. Fahren Sie auf beiden Richtungsfahrbahnen rechts und überholen Sie nicht. Ich wiederhole: Auf der A31 Gronau – Bottrop kommt Ihnen zwischen Kirchhellen und Gladbeck ein Fahrzeug entgegen. Fahren Sie auf beiden Richtungsfahrbahnen rechts und überholen Sie nicht. Wir melden sofort, wenn die Gefahr vorüber ist."Gerade bei solchen Gefahrensituationen geht es um Sekunden. Gefahrenmeldungen haben daher Vorrang vor allem anderen, egal ob aktueller Nummer-eins-Hit oder Nachrichten zur vollen Stunde. Der Moderator im Radiostudio ist dabei das letzte Glied in einer gut funktionierenden Kette, an deren Anfang viele verschiedene Informationsquellen stehen.
Rund 100.000 Staus ereignen sich pro Jahr auf deutschen Autobahnen. Damit die Verkehrsmeldungen ins Radio kommen, müssen die Staus und Behinderungen, die Gefahren durch Wildtiere auf der Fahrbahn oder verlorene Ladung erst einmal von jemandem registriert und gemeldet werden. Zigtausende Staumelder sind in Deutschland bei den einzelnen Sendern registriert und informieren die Radiostationen oft über kostenlose Hotlines, wenn sie unterwegs einen Stau sehen. Diese Meldungen landen ebenso in der Verkehrsredaktion wie die der Polizei.
In der Verkehrsredaktion arbeiten Frühaufsteher. Um 4.30 Uhr beginnt in der Regel der Dienst in den Verkehrsredaktionen. Und in mehreren Schichten ist die Redaktion bis in die Nacht besetzt. Immer wenn die Polizei eine Verkehrsmeldung verbreitet, sei es von einem Stau, einem Unfall, eine Glatteiswarnung oder Baustelleninfos, erscheint sie auch innerhalb von Sekundenbruchteilen digital auf dem Bildschirm des Verkehrsredakteurs. Die Straßenbauämter melden den Sendern die Tagesbaustellen.
Auch mit dem ADAC und regionalen Verkehrszentralen ist die Verkehrsredaktion vernetzt. Moderne Verkehrsleitsysteme bieten wichtige Informationen für den Verkehrsfunk. Mittels Induktionsschleifen lässt sich beispielsweise genau feststellen, wo wie viele Autos pro Minute unterwegs sind und wie schnell sie auf den einzelnen Spuren im Durchschnitt fahren. Dadurch lässt sich ablesen, ob auf den Straßen wenig los oder Stop-and-go-Verkehr ist. Manchmal ist auf den Straßen so viel los, dass die Redaktion für die Radiomoderatoren schon eine Vorauswahl trifft: "Hier alle Staus ab drei Kilometer Länge", heißt es dann zum Beispiel.
Bei ihren Staumeldungen versuchen die Sender ihren Hörern meist nicht nur die Staus aufzulisten, sondern auch nützliche Zusatzinformationen zu liefern: Warum staut es sich und wie lange wird es voraussichtlich noch dauern? Gibt es Empfehlungen für Ausweichrouten? Am liebsten ist den Verkehrsredakteuren aber, wenn sie sagen können: "Uns liegen keine Meldungen über Verkehrstörungen vor. Wir wünschen ihnen eine gute und sichere Fahrt."




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