Amulett

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Vollbremsung für Fußgänger

Wenn Kinder plötzlich zwischen parkenden Fahrzeugen auf die Straße springen, geht es manchmal um Sekundenbruchteile. Autofahrer müssen hellwach sein und schnell reagieren, um Unfälle zu verhindern. Das Forschungsprojekt AMULETT, an dem u.a. der Fachbereich Höchstfrequenztechnik der Technischen Universität München mitarbeitet, entwickelt ein Sicherheitssystem, das Fußgänger frühzeitig – auch durch Hindernisse hindurch – erkennen kann. Im Ernstfall soll es sogar eine automatische Notbremsung auslösen und so Zusammenstöße vermeiden oder ihre Folgen mildern.


Im Jahr 2007 verunglückten in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 1.269 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren, weil sie auf die Fahrbahn liefen, ohne auf den Verkehr zu achten. Bei jedem vierten Zusammenstoß mit Kindern waren diese zuvor von einem Sichthindernis verdeckt.

Die Grundidee des Forschungsprojekts AMULETT: Fahrzeuge senden eine Art Echolot aus und können damit Fußgänger mit einem aktiven Funktransponder erkennen. Dieser kleine Chip könnte etwa in eine Schultasche, ein Mobiltelefon oder einen Gehstock integriert werden. Der große Vorteil dieser Technik: Sie funktioniert beispielsweise auch durch parkende Autos oder eine Hecke hindurch.

In modernen Fahrzeugen gibt es heute schon einige elektronische Fahrerassistenzsysteme, die vor der Gefahr eines Zusammenstoßes warnen oder selbsttätig das Fahrzeug abbremsen. Assistenten, die mit Fußgängern kommunizieren, gibt es serienreif noch nicht.

Das Problem, das bei AMULETT noch zu lösen ist: Im Stadtverkehr begegnen sich Autos und Fußgänger sehr oft, etwa wenn ein Fußgänger an der roten Ampel wartet und Fahrzeuge vorbeifahren. Das Fahrzeug soll mit AMULETT "nur autonom bremsen, wenn der Fußgänger das Auto nicht bemerkt und unvermittelt über die Fahrbahn geht", erklärt Christian Morhart, einer der Doktoranden aus dem Bereich Höchstfrequenztechnik der TU München.

Weiterer Forschungsarbeit bedarf es, um Fehlmeldungen (z.B. von Trägern von Funktranspondern, die in einem Auto sitzen) auszuschließen und das System im Stadtverkehr mit vielen unterschiedlichen Sendern und Transpondern sicher zu machen. Dass AMULETT ein Konzept mit Zukunft ist, davon hat sich auch die Jury des weltweiten studentischen Wettbewerbs für neue Ideen zur Fahrzeugsicherheit überzeugt. Im Rahmen der weltweit wichtigsten Konferenz zur Fahrzeugsicherheit (ESV) wurden Christian Morhart und sein Kollege Daniel Schwarz mit dem Preis für Verkehrssicherheitsforschung ausgezeichnet.
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