
Ein schwieriger Job
Stress auf dem Beifahrersitz
"Fahr nicht so schnell!", "Halt doch mehr Abstand!", "Da vorne ist Rot!" - für viele Beifahrer kostet es jede Menge Nerven, scheinbar zur Tatenlosigkeit verurteilt zu sein. "Beifahrer empfinden oft Angst und Hilflosigkeit, ähnlich wie Menschen, die unter Flugangst leiden", erklärt Dr. Ulrike Roth, Arbeitsmedizinerin von TÜV Rheinland. Sie haben das Gefühl, „als passive Insassen im Auto weder Einfluss auf das Geschehen noch Kontrolle darüber zu haben". Damit die Autofahrt nicht zu sehr an den Nerven zerrt, sollten gestresste Beifahrer kleine Aufgaben übernehmen und so die Reise aktiv mitgestalten.Etwa jeder fünfte Befragte entwickelt laut einer UNIROYAL-Verkehrsuntersuchung zum Thema Beifahrer aus dem Jahr 2001 bei der Mitfahrt Ängste, etwa die Furcht vor einem Unfall, vor möglichen Fehlern des Fahrers, aber auch Angst im Hinblick auf einen möglicherweise schlechten Zustand des Fahrzeugs. Angstgefühle erzeugt insbesondere ein Fahrer, der sich erkennbar unsicher verhält. Um sich abzulenken und den Fahrer zu unterstützen, können Beifahrer beispielsweise mithelfen beim Einlegen von CDs oder beim Einstellen der Radiosender, auf Hinweisschilder achten oder die Karte lesen. "Vielen hilft es auch, sich bewusst auf die vorbeiziehende Landschaft zu konzentrieren", sagt Dr. Roth. Auch ein Gespräch mit anderen Insassen sorgt dafür, dass der Beifahrer nicht ständig die Aktionen des Fahrers beobachtet. Wer sich gemeinsam mit dem Fahrer um die Route kümmert, wird nicht plötzlich kurz vor einer Ausfahrt von der Frage des Fahrers überrascht: „Müssen wir hier schon raus?“
Beifahrer beeinflussen häufig die Fahrweise. Sie können das Unfallrisiko erhöhen oder senken. Sie können für den Fahrer eine Hilfe, aber auch eine Belastung sein. Das trifft vor allem auf jüngere Fahrer zu. Besonders hoch ist das Unfallrisiko, wenn ein männlicher Autofahrer einen oder mehrere Geschlechtsgenossen als Beifahrer hat, da sich Fahrer unter dem sozialen Druck ihrer Begleiter zu Verhaltensweisen hinreißen lassen, die ihre Fähigkeiten übersteigen. Sitzt ein Mädchen daneben, ist das Unfallrisiko nur halb so hoch. Offenbar merken viele, dass Mädchen und Frauen überhaupt nicht auf dieses Imponiergehabe der Männer „stehen“. Wer am Steuer sitzt, sollte anderen eben nichts beweisen müssen. Keinesfalls sollten Beifahrer den Fahrer zusätzlich unter Stress oder Zeitdruck setzen.
Wenn sie sich bei der Fahrweise des anderen nicht wohl fühlen, sollten sich Beifahrer diplomatisch verhalten. Für Streitigkeiten ist während der Fahrt kein Platz. Denn hitzige Diskussionen beeinträchtigen die Konzentration des Fahrers. Sie lenken seine Aufmerksamkeit vom Verkehrsgeschehen ab. Im schlimmsten Fall kann es dadurch sogar zum Unfall kommen. Es ist wichtig, dass Beifahrer eine offene Kritik am Fahrstil zurückstellen. Hilfreich hingegen sind Ich-Botschaften, wie „können wir kurz anhalten, ich würde mir gerne die Beine vertreten“. Wenn Lenker und Passagier sich im Auto um das Wohl des anderen bemühen, fahren beide stressfreier.
Kommt es doch einmal zu einer brenzligen Situation, sollte der Beifahrer den Fahrer nicht durch laute Warnrufe oder hektische Reaktionen zusätzlich unter Druck setzen. "Sehr wohl sollte der Beifahrer aber eingreifen, wenn er glaubt, dass der Fahrer müde wird", rät Dr. Roth. Allerdings ist es in einem solchen Fall ratsam, für sich selbst eine Pause zu wünschen oder sich selbst als Ablösung anzubieten. Damit lässt sich mehr erreichen, als wenn Beifahrer dem Fahrer vorwerfen, er sei übermüdet und brauche eine Pause. Behutsam sollten Beifahrer auch vor Gefahren warnen. Schnell kann sich der Fahrer bevormundet fühlen und seine Kompetenz in Frage gestellt sehen. Andererseits kann der Hinweis des Beifahrers im Ernstfall den Bruchteil einer Sekunde ausmachen, den der Fahrer früher bremst.




![[Logo] www.jugend-arbeitsschutz-preis.de](/images_nextline/JAZ_Farbe.gif)