
Weltrekordfahrer Hellgrewe
Auch Profis brauchen Pausen
Sein Dienstgrad ist Leutnant zur See. Dabei bewegt sich Marco Hellgrewe lieber auf der Straße. Der 34-Jährige ist Fahrlehrer bei der Bundeswehr. Er bildet Zeitsoldaten und Wehrdienstleistende zu Kraftfahrern aus. Aber auch über seinen Beruf hinaus liegt ihm das Thema Verkehrssicherheit am Herzen. Als Trainer für Sicherheitstrainings des Deutschen Verkehrssicherheitsrates e.V. vermittelt er eine vorausschauende, gelassene und sichere Fahrweise. Seit September 2008 ist er Weltrekordhalter im Rückwärts-Lkw-Fahren, doch auch bei diesem Unternehmen spielte Verkehrssicherheit eine wichtige Rolle."Man muss schon etwas verrückt sein, um so etwas zu tun", sagt der 34-Jährige im Rückblick. Sein Rekordversuch wurde von der Technischen Universität Berlin begleitet. "Wir wollten belegen, dass das ,Fahren ohne geeignete Pausen‘ massive Auswirkungen auf den menschlichen Organismus zur Folge hat. Oft behaupten Lkw- Fahrer, dass es ihnen nichts ausmache, ohne Pausen mehrere Stunden zu fahren", erläutert der Berufssoldat. Doch für ihn war von Anfang an klar: Selbst wenn er optimal vorbereitet ist, wird die lange Fahrzeit ihn ermüden und seine Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Die Rekordfahrt fand auf öffentlichen Straßen rund um den Truppenübungsplatz Bergen bei Celle statt. Zwei Polizeiautos hielten mit Warnblinkanlage und Blaulicht nebeneinander fahrend die Rekordstrecke frei. Dahinter folgten Fahrzeuge der "Feldjäger". Und dann Maro Hellgrewe im Gigaliner – Vollgas im Rückwärtsgang! Die Passanten, denen der seltsame Konvoi begegnete, staunten nicht schlecht.

Das wichtigste bei seiner Rekordfahrt sei gewesen, dass er sich nie selbst überschätze. Aber davor warnt er auch als Fahrlehrer seine Fahrschüler und als Trainer die Teilnehmer der Sicherheitstrainings immer wieder. Selbst wenn er bei seinem Weltrekord das Gaspedal durchgetreten hat, appelliere er immer wieder an die Vernunft: "Lieber langsam fahren. Lieber dreimal gucken als einmal zu schnell sein." Und zum Rückwärtsfahren im Alltag rät er: Lieber einen rausschicken, der einweist, als jemanden übersehen und überfahren."
Die nächste verrückte Aktion hat Marco Hellgrewe übrigens schon im Blick: Vielleicht ist er schon bald bei "Wetten dass..?" zu sehen. Nachdem das ZDF auf ihn zugekommen sei, bastelt er schon an einer Wett-Idee: mit einem Lkw, der über einen langsam fahrenden Güterzug fährt. Natürlich rückwärts.
Neben den Untersuchungsergebnissen zum Thema Pausen am Steuer sammelte Marco Hellgrewe mit seiner Rekordtour auch fleißig Spenden für die Hannelore-Kohl-Stiftung. 20.000 Euro kamen für die gute Sache zusammen.
Natürlich hatte sich Hellgrewe auf diesen Tag besonders vorbereitet. Übung ist auch beim Rückwärtsfahren sehr entscheidend. "Wer einmal das System, wie man lenken muss, verstanden hat, der kann jeden Lkw rückwärts fahren", weiß der Fahrlehrer aus Erfahrung. Aber eine solche Fahrt ist vor allem auch eine Sache der richtigen Kondition.
Müdigkeit ist auch bei einem solchen Rekordversuch ein gefährlicher Gegner. Deshalb hatte sich Marco Hellgrewe intensiv auf diesen Tag und seine Fahrt vorbereitet. So trainierte er besonders die Nacken- und Rückenmuskulatur, denn der ständige Wechsel von einem zum anderen Spiegel kann leicht ermüden. Dennoch, so Marco Hellgrewe, hätten die Auswertungen der TU Berlin ein eindeutiges Ergebnis gebracht: Wer lange fährt, braucht dringend Pausen.




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