
Autokino
Film ab unterm Sternenhimmel
Stoßstange an Stoßstange, Autolänge um Autolänge geht es langsam vorwärts. Doch wir stehen nicht im Stau. Auch nicht vor dem Drive-In-Schalter einer Burgerkette. Wir nähern uns dem Kassenhäuschen des ältesten Autokinos Europas in Neu-Isenburg-Gravenbruch. Kino unterm Sternenhimmel ist für viele Filmfans immer wieder ein besonderes Erlebnis."Bitte Standlicht anlassen" blinkt eine Leuchtschrift neben dem kassenhäuschen auf. Eine andere zeigt "Hupen verboten". Als wir schließlich die Kasse passiert haben, biegen wir ein auf einen riesigen Parkplatz. "Rechte Leinwand", hatte uns die Dame an der Kasse zugerufen. Jetzt wird auch klar, warum. Auf der großen Areal stehen – mit einigem Abstand – zwei überdimensionale Leinwände im 90°-Winkel zueinander. Auch an diesem Abend werden zwei Filme parallel gezeigt. Der richtige Ton zum jeweiligen Film kann über UKW-Frequenz 91,5 bzw. 88,3 empfangen werden.
Auf dem riesigen asphaltierten Gelände geht es ein bisschen zu wie auf dem großen Parkplatz eines Einkaufszentrums. Autofahrer suchen ihre Parkplätze, von denen aus sie gute Sicht auf die Leinwand haben. Einige steigen aus, um sich noch mit Popcorn, eisgekühlten Getränken oder einer Portion Pommes zu versorgen. Überwiegend sind alkoholfreie Getränke gefragt – und das ist, zumindest für die Fahrer, ja auch richtig so. Schrittgeschwindigkeit ist angesagt. Keine Eile, kein Stress. Der Film fängt ja noch nicht an. Und ob man nun den dritten Parkplatz von links in der zweiten Reihe oder den achten von rechts in der dritten ist letztlich doch auch nicht so wichtig.
Den Blick auf die Leinwände erleichtern von allen Plätzen die leicht ansteigenden Parkplätze. Somit ist der Blick durch die Windschutzscheibe schon automatisch nach oben zur Projektionswand gerichtet. Wer vor allem wegen des Filmes ins Autokino kommt, biegt in den ersten zwei, drei Parkplatzreihen ein. Wer mehr zum Kuscheln ins Autokino gefahren ist, wählt ruhigere Plätzchen weiter hinten.
Dann, als es ziemlich dunkel ist, fängt die Werbung und schließlich der Film an. Wohl dem, der jetzt ein Cabrio hat und unterm Sternenhimmel den Film sehen kann. Aber auch wir genießen das Kinoerlebnis im eigenen Auto.
Weltweit gibt es mehr als 500 Autokinos. Als die schönsten Drive-in Theater der Welt gelten das Coral Twin Drive-In in Cairns/Australien, das Harbour Drive-In in Kingston/ Jamaika und das Rex Drive-In in Dubai. Im Thunderbird Drive-In Fort Lauderdale in Florida gibt es sage und schreibe 13 Leinwände und ebenso viele unterschiedliche Filme gleichzeitig.
Auch in Deutschland gibt es tolle Autokinos, etwa das Autokino Koserow auf der Urlaubsinsel Usedom oder das Autokino Prora/Binz auf der größten deutschen Insel Rügen.
Leider kämpfen aber zahlreiche Autokinos ums Überleben. Das Autokino in Hamburg-Billbrook musste 2003 geschlossen werden. Das Autokino in Rammstein machte Ende Oktober 2007 dicht. Auch in Braunschweig und Magdeburg war 2007 Schluss. In Rostock-Roggentin 2008.
Autokinos gibt es in Deutschland außer den genannten noch in Berlin-Mitte, Essen-Bergeborbeck, Flatow (Brandenburg), Helenesee bei Frankfurt (Oder), Kornwestheim bei Stuttgart, Krüden (Sachsen-Anhalt), Langenhessen (Sachsen), Anröchte, Niedergörsdorf (Brandenburg), Köln-Eil, Völklingen (Saarland,) im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Zempow, (Brandenburg), Leipzig (Sachsen), Geyer (Sachsen), Kamenz (Sachsen), Pöhl (Sachsen), Ahlbeck (auf Usedom).




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