
Wildunfall
Ausweichen oft gefährlicher als Zusammenstoß
"Ein 22-jähriger Fahrer befuhr die B 190 von Seehausen in Richtung Arendsee. Als plötzlich ein Reh die Straße überquerte, wollte der Fahrer dem Tier ausweichen, kam aber dabei ins Schleudern. Das Fahrzeug überschlug sich und prallte an einen Baum." Solche und ähnliche Meldungen finden sich im Herbst und Frühjahr immer wieder im Polizeibericht und in den Schlagzeilen der Zeitungen. Denn oft endet ein misslungenes Ausweichmanöver tragisch.Der ADAC hat mit einem Crashtest ermittelt, wie groß die Gefahr für Autoinsassen ist, durch eine Kollision mit einem Wildtier zu Schaden zu kommen. Bei dem Versuch rammte ein Pkw mit 40 km/h einen 55 Kilogramm schweren und 93 Zentimeter großen Hirschdummy. Ergebnis: Während durch den Aufprall die Motorhaube stark eingebeult wurde, blieb die Windschutzscheibe intakt. Der Fahrer wäre bei einem realen Unfall unverletzt davongekommen.
Um Wildunfälle zu vermeiden, rät der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), sollte im Wald mit erhöhter Aufmerksamkeit vorausschauend und bremsbereit gefahren werden. Gerade in der Dämmerung, also abends zwischen 18 und 23 sowie in den frühen Morgenstunden von fünf bis sieben Uhr, ist verstärkt mit Wildwechsel zu rechnen. Zu diesen Zeiten wird empfohlen, nicht schneller als 70 bis 80 km/h zu fahren und intensiv die Straßenränder zu beobachten. Taucht ein Tier auf, sollte man abblenden, bremsen und hupen. Hat das Tier die Straße passiert, sollte man langsam weiterfahren. Vorsicht: viele Wildtiere sind Herdentiere. Ist ein Tier über die Straße gelaufen, können weitere Tiere folgen.
Ist ein Zusammenstoß unvermeidlich, sollte man nicht versuchen, auszuweichen. Vielmehr sollte man so stark abbremsen wie möglich und versuchen, das Fahrzeug gerade zu halten. Falsche Reaktionen wie etwa riskante Ausweichmanöver können für Autofahrer dagegen wesentlich gefährlicher werden. Experten des ADAC schätzen, dass rund ein Drittel aller Baumunfälle außerorts durch Wild verursacht werden. Da jedoch keine Kollision stattgefunden hat, fließen die Daten nicht in die offizielle Wildunfallstatistik ein. Im Jahr 2006 wurden rund 2.800 Menschen bei einem Wildunfall verletzt, zehn starben. Dabei wurden auch 220.000 Rehe, Hirsche und Wildschweine getötet. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch.
Kommt es zum Unfall, muss die Warnblinkanlage eingeschaltet und die Unfallstelle mit Warndreieck abgesichert werden. Dann sollten Verletzte versorgt und die Polizei alarmiert werden. Das Tier nicht anfassen, da es an Tollwut erkrankt sein könnte. Für die Kaskoversicherung (sie zahlt bei Unfällen mit Haarwild, also zum Beispiel Hirsch, Reh oder Wildschwein, aber auch kleinere Tiere wie Fuchs, Feldhase oder Marder zählen dazu) braucht man nach einem Wildunfall eine Bescheinigung der Polizei oder des Jagdpächters. Wenn es keine Zeugen gibt, sollte man Fotos machen.




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