
Tunneltraining für Rettungskräfte
Richtig handeln, statt in die Röhre gucken
Der St.-Gotthard-Tunnel in der Schweiz wird nach seiner Fertigstellung im Jahr 2015 der längste Tunnel der Welt sein. Der Tunnelbau hat in unserem Nachbarland Tradition. Zählt man allein die zurzeit Betriebenen, kommt man auf fast 900. Doch zuletzt waren Tunnel oft im Zusammenhang mit der Frage nach ihrer Sicherheit im Gespräch. In Balsthal und Lungern entstehen daher derzeit Übungsanlagen. In einem Ausbildungszentrum sollen Rettungskräfte optimal auf Einsätze in unterirdischen Verkehrsanlagen vorbereitet werden.Um Menschen retten und Brände wirksam bekämpfen zu können, muss die Feuerwehr unter allen Bedingungen in unterirdische Verkehrsanlagen wie Tunnels, Tiefgaragen oder Untergrundbahnhöfe eindringen können. Deshalb brauchen Feuerwehr, Polizei, Notärzte und Rettungssanitäter eine umfassende theoretische Ausbildung und sie müssen das Gelernte unter realistischen Einsatzbedingungen trainieren können.
Über 1.000 Meter Tunnel und Stollen werden ab 2009 zum Üben des Notfalls zur Verfügung stehen. In Lungern wird derzeit ein Brandstollen ausgebaut. In Balsthal haben die Arbeiten für einen kombinierten Straßen- und Bahntunnel mit integriertem Übungsparkhaus begonnen. In dem unterirdische Labyrinth lassen sich alle nur denkbaren Einsatzsituationen in unterirdischer Verkehrsanlagen trainieren: von Bränden in Tiefgaragen über Gefahrgutunfälle in Straßentunnels und Entgleisungen in Bahntunnels bis zu Explosionen in unterirdischen Bahnhöfen und Einkaufspassagen.
Bei den Übungen des Interkantonalen Feuerwehr-Ausbildungszentrums ifa sind Flammen und Hitze real. Für die Verqualmung wird ungiftiger Übungsrauch verwendet. Damit werden die Gesundheitsgefahren für die Nutzer und die Umweltbelastungen auf ein Minimum reduziert. Hitze, Verrauchungsstärke und Schwierigkeitsgrad können exakt so dosiert werden, dass die Übenden hart gefordert, jedoch nicht überfordert werden. Das Ausbildungszentrum erwartet Feuerwehren aus ganz Europa zum Training.
Nach den schweren Tunnelunglücken in den vergangenen Jahren haben viele Verkehrsteilnehmer in Tunnels ein mulmiges Gefühl. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie man im Tunnel fahren und wie man sich im Ernstfall verhalten sollte:
Im Normalfall:
- Vor der Einfahrt überprüfen, ob genug Kraftstoff im Tank ist
- Sonnenbrille abnehmen
- Radio einschalten und Sender mit Verkehrsfunk wählen. Die Frequenzen werden meist vor dem Tunnel angezeigt
- Abblendlicht einschalten
- Höchstgeschwindigkeit beachten
- Ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einhalten (Pkw 50 Meter, Lkw 100 Meter)
- Verkehrszeichen und Ampelsignale beachten
- Hinweise auf Fluchtausgänge, Pannenbuchten, Feuerlöscher und andere Sicherheitseinrichtungen einprägen
- Am rechten Fahrbahnrand orientieren, nie an der Mittellinie
Bei Stau:
- Am rechten Fahrbahnrand anhalten und dabei ausreichend Abstand zum vorderen Fahrzeug einhalten (5 Meter)
- Bei Stillstand des Verkehrs Motor aus- und Warnblinkanlage einschalten
- Im Fahrzeug bleiben, falls keine anderen Anweisungen des Betreibers erfolgen
- Auf Durchsagen im Verkehrsfunk beziehungsweise Informationen auf den Hinweistafeln achten
Bei Pannen und Unfällen:
- Fahrzeug möglichst in einer Pannenbucht oder auf dem Standstreifen abstellen, sonst so nah wie möglich am rechten Fahrbahnrand
- Motor aus- und Warnblinkanlage einschalten
- Nächste Notrufstation aufsuchen und Tunnelwarte informieren; dabei wird sofort Ihr Standort erkannt, und es werden häufig auch automatisch weitere Schutzmaßnahmen aktiviert, wie Aufschalten einer Videokamera, Reduzierung der Geschwindigkeit, Sperrung des Tunnels und Anderes; deshalb ist dieser Notruf besser als einer per Handy
- Wenn erforderlich, Erste Hilfe leisten
Bei Bränden:
- Bei Brand des eigenen Fahrzeugs wenn möglich noch selbst aus dem Tunnel herausfahren
- Sollte dies nicht mehr möglich sein, am rechten Fahrbahnrand anhalten und Motor abschalten. Fahrzeug verlassen und Feuer mit Feuerlöschern, die meist in den Notrufnischen zu finden sind, in der Entstehungsphase löschen. Wenn ein Löschen nicht mehr möglich ist, sofort zum nächsten Fluchtausgang gehen.
- Bei Brand eines Fahrzeugs vor Ihnen am rechten Fahrbahnrand mit ausreichend Abstand zum vorderen Fahrzeug (mindestens 5 Meter) anhalten
- Warnblinkanlage einschalten und Zündschlüssel stecken lassen
- Auf Durchsagen im Verkehrsfunk beziehungsweise Informationen auf den Hinweistafeln achten
- Ist Rauch und Feuer zu sehen, sofort vom Feuer weg zügig zum nächsten Fluchtausgang oder Portal gehen. Bei starker Rauchentwicklung an der Fluchtnotbeleuchtung orientieren oder an der Tunnelwand entlang tasten.




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