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Essen am Steuer

Beliebt und gefährlich

Essen hinterm Steuer

Essen im Auto ist bequem und beliebt. Dagegen ist auch gar nicht einzuwenden, wenn das Auto steht oder die Mitfahrer essen, während sich der Fahrer voll auf den Verkehr konzentriert. Doch laut einer Verkehrsstudie im Auftrag des Nutzfahrzeugherstellers Scania lieben es deutsche Autofahrer, am Steuer zu essen. Nirgendwo in Europa essen und trinken Pkw-Fahrer demnach so oft während der Fahrt wie in Deutschland.


Eine Befragung von 9.000 Fahrern aus neun Ländern ergab, dass 59 Prozent der deutschen Pkw-Fahrer die Autofahrt zum Essen nutzen. Neben den Deutschen frönen vor allem Niederländer und Schweden der Lust am mobilen Snack. In allen drei Ländern gab die Mehrheit der Befragten an, gerne hinter dem Steuer zu essen. Mit diesem Verhalten können sich Italiener und Spanier kaum anfreunden. Von ihnen verlagert lediglich jeder Fünfte den Mittagstisch ins Auto.

„Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird“, heißt es allgemein im § 1 der Straßenverkehrsordnung. Das bezieht sich auch auf etwaige Nebentätigkeiten wie Telefonieren mit Freisprecheinrichtung, das Bedienen eines Radios oder Essen. Dass gerade auch das Essen am Steuer sehr gefährlich sein kann, zeigen Zahlen der Verkehrssicherheitsstiftung des amerikanischen Automobilverbandes (AAA). Eine Untersuchung von Polizeiberichten im Bundesstaat North Carolina ergab nach Informationen des Headset-Herstellers Plantronics, dass in 18,8 Prozent der Fälle Essen und Trinken Ursache von Zusammenstößen waren.

Das Essen am Steuer ist nicht das einzige gefährliche Verhalten beim Fahren, mit dem Deutschland europaweit unrühmlich auffällt: Die Bundesbürger sind auch absolute Pausenmuffel. „Ausgeruht wird erst am Ziel“ scheint für viele die Devise zu sein. Nur jeder fünfte Fahrer macht Erholungspausen. Das kann gefährliche Folgen haben: Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gehen rund ein Viertel aller tödlichen Autobahnunfälle auf das Konto so genannter Müdigkeitsattacken.

Nur in Italien sind Erholungspausen noch unpopulärer als in Deutschland. Lediglich elf Prozent der dortigen Befragten unterbrechen ihre Autofahrt, um sich von den Strapazen der Reise zu erholen. In beiden Ländern halten zwei Drittel der Fahrer erst an, wenn ein Toiletten-Besuch nötig wird. Empfehlenswert ist spätestens alle zwei bis drei Stunden eine mindestens 20-minütige Pause. Denn ein ausgeruhter Fahrer gehört neben der sicheren Beherrschung des Fahrzeugs zu den wichtigsten Grundvoraussetzungen für die Sicherheit auf der Straße.
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