Im Führerstand eines ICE
160 Stundenkilometer in der „Langsamfahrstrecke“
An der Luft im Fahrerhaus merkt man, wie schnell der Zug jetzt unterwegs ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist erreicht. „Wenn man 250 fährt, dann geht das schon ein bisschen auf die Ohren“, ruft Thomas Keitel. Motoren- und Fahrgeräusche sind nun deutlich lauter. Durch die engen Tunnels nimmt der Druck auf die Ohren zu, besonders wenn ein anderer Zug im Tunnel entgegenkommt. Die Luft wird dünner, stickiger. „Wenn dann noch die Klimaanlage ausfällt hat man schnell 40 °C in der Kabine“, erläutert der. „Dann hat man abends so einen Kopf“, meint er und hält für einen kurzen Moment beide Hände weit von seinem Kopf gestreckt.Dann kommt eine „Langsamfahrstelle“. Hier auf der Neubaustrecke heißt so ein Abschnitt, der nur mit 160 km/h durchfahren wird. Es ist eine Baustelle. Auf dem benachbarten Gleis wird das Gleisbett gereinigt. Der ICE 690 rauscht mit gemäßigtem Tempo vorbei und erreicht wenig später pünktlich Kassel-Wilhelmshöhe.

Da ist es wichtig, dass sich der Lokführer davon nicht unter Druck setzen lässt. Denn dann wächst die Gefahr, dass Fehler passieren. Fabian Höhn versucht, gelassen zu bleiben. „Ich lasse mich nicht zu leichtsinnigem Fahren verleiten. Es bringt nichts, wenn ich 5 Minuten reinhole und an der nächsten Weiche im Acker liege“, sagt der 32-Jährige. Allerdings wird die Geschwindigkeit auf der Strecke auch häufig überwacht. Fährt beispielsweise ein Zug an einer Geschwindigkeitsbeschränkung zu schnell, wird der ICE aus Sicherheitsgründen automatisch bis zum Stand abgebremst. Und als ob Fabian Höhn dieses System simulieren wollte, legt ICE 109 kurz darauf eine Vollbremsung hin. „Zugbeeinflussung, Zugbeeinflussung!“, spricht eine technisch klingende weibliche Stimme. Der Zug bremst und bremst und steht. Minimal war Fabian Höhn wohl zu schnell. Aber die Sicherheit geht eben vor.




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