
September 2005
Lärm: Das geht auf die Ohren
Wumm, dröhn, hämmer. Nach dem Disko- oder Konzertbesuch spürt es wohl jeder: Der Kopf ist wie in Watte gepackt, es brummt und fiept im Ohr. Nach einigen Stunden ist der Spuk vorbei. Vorausgesetzt, man gönnt seinen Ohren ein wenig Ruhe und belastet sie nicht jeden Tag mit so viel Lärm.„Bei dir piept’s wohl!“ Würde der Ausspruch wörtlich genommen, müssten immer mehr Jugendliche nicken und zustimmen: „Ja! Und wie!“ Pfeif- und Piepsgeräusche, Brummen oder Rauschen im Ohr sind ein sicheres Zeichen dafür, dass mit dem Gehör etwas nicht stimmt. Der häufigste Auslöser für Ohrgeräusche oder Schwerhörigkeit sind zu hohe Geräuschpegel.
Hören ist eine komplizierte Sache: Geräusche sind Schallwellen, die durch die Luft in unser Ohr transportiert werden. Im Innenohr befinden sich ungefähr 20.000 Haarzellen. Ihre Anzahl ist von Geburt an konstant. Die Haarzellen verwandeln die Schallwellen in elektrische Impulse, die über den Hörnerv ins Gehirn weitergeleitet werden. Hier erst werden die Impulse als Töne interpretiert.
Ab einer gewissen Lautstärke schädigt Lärm die Haarzellen. Erst verlieren sie an Empfindlichkeit, dannsterben sie ab.Unwiederbringlich! Deshalb ist Lärmschwerhörigkeit nicht heilbar. Zum Vergleich:Man kann sich die Haarzellen wie eine Sommerwiese vorstellen. Wenn gelegentlich darüber gelaufen wird, knicken ein paar Gräser um, sie erholen sich aber wieder. Wird die Wiese allerdings zum Dauerpicknick- oder Bolzplatz, bleiben die Schäden.
Genauso ist es mit dem Gehör: Von gelegentlichen Belastungen erholt es sich wieder. Gefährlich wird die Sache dann, wenn ständig hohe Belastungen (Lärm am Arbeitsplatz, laut Walkman hören, oft in die Disko gehen etc.), mangelnde Ruhepausen und vielleicht noch eine Portion Stress zusammenkommen.
Ab wann wird s gefährlich?
Nicht jeder Lärmgeht sofort auf die Ohren. Ob er das Gehör schädigt, hängt nicht nur von der Höhe der Schallpegel, sondern auch von der Dauer der Einwirkung ab.
Deshalb wird am Arbeitsplatz der so genannte Beurteilungspegel bestimmt, der sowohl Höhe als auch Dauer des Lärms berücksichtigt. Je höher der Schallpegel und je länger die Einwirkungsdauer, desto größer ist natürlich die Gefahr für das Gehör.
Gehörschädigung im Vergleich
Je nach Stärke der Lärmeinwirkung kann eine Gehörschädigung nach unterschiedlicher Einwirkungsdauer auftreten:
| Belastung in Dezibel/Tag Beurteilungspegel dB(A) | Maximale Dauer |
|---|---|
| 85 | 8 Stunden |
| 88 | 4 Stunden |
| 91 | 2 Stunden |
| 94 | 1 Stunde |
| 97 | 30 Minuten |
| 100 | 15 Minuten |
Besonders hohe Schallpegel – so genannte „Knalle“ oder auch Explosionen – können auch direkt schwere Verletzungen verursachen. Ein einziger Silvesterknaller, in der Nähe des Ohres explodierend, kann das Trommelfell platzen lassen.
Für den Arbeitsplatz ist per Gesetz geregelt, wie lange man bei welcher Lautstärke arbeiten darf und ab wann man sein Gehör schützen muss.
Maßgebend ist der Beurteilungspegel: Wenn bei der Arbeit acht Stunden lang imDurchschnitt mehr als 85dB(A) in den Ohren dröhnen, wird es gefährlich. Das kann zum Beispiel auf Baustellen, in Getränkeabfüllanlagen, Druckereien, im Straßenbau oder eben in der Disko (für die dort Angestellten) der Fall sein.
Hier muss der Betrieb seinen Beschäftigten kostenlos geeigneten Gehörschutz (Stöpsel oder Kapseln) zur Verfügung stellen und diese Arbeitsbereiche mit speziellen Schildern kennzeichnen.
Wichtig zu wissen: Jeder, der in einem solchen Lärmbereich arbeitet, hat Anspruch auf einearbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung und regelmäßige Nachuntersuchungen.
Lauscher auf!
Wer mit 50 lieber den Wind als sein Hörgerät rauschen hören will, für den gibt´s unsere Gut-Hör-Tipps:
- Lärmschwerhörigkeitnimmt unter den Berufskrankheiten einen Spitzenplatz ein. Wer einen Lärmarbeitsplatz hat, sollte dort unbedingt den vorgeschriebenen Gehörschutz tragen.
- Sich ab und zu die Dröhnung in der Disko oder auf einem Konzert geben, ist in Ordnung. Danach brauchen die Ohren aber eine ausgedehnte Ruhephase von mehreren Tagen, um sich zu erholen.
- Wer gerne oft in die Diskogeht (hier können leicht mal Schallpegel von über 100 dB(A) erreicht werden), sollte sich immer mal in einen leiseren Ruheraum zurückziehen oder besser noch die Ohren mit Stöpseln schützen. Bei lauten Konzerten kommen vor den Boxen sogar über 110 dB(A) zusammen, das entspricht etwa dem Lärm eines Abbruchhammers. Könnt Ihr euch vorstellen, drei Stunden neben einem Abbruchhammer zu stehen? Die medizinisch maximal zu tolerierende Aufenthaltsdauer bei 100dB(A) beträgt 15 Minuten! Zum Vergleich: Der Gesetzgeber schreibt schon ab 85 dB(A) Lautstärke am Arbeitsplatz auf Empfehlung von Medizinern das Tragen von Gehörschutz vor!
- Musiker aufgepasst! Auch das tägliche Üben von E-Gitarre, Schlagzeug, Posaune oder Saxophon geht auf die Ohren. Hier helfen bereits einfache Ohrenstöpsel aus der Apotheke oder ein spezieller Gehörschutz für Musiker vom Hörgeräteakustiker.
- Hallo Fans von lauter Musik im Auto oder aus dem Walkman: Immer mal wieder den Regler runter fahren und leiseren Tönen lauschen. Tut es euren Ohren zuliebe.
- Es ist nicht ungewöhnlich, dass nach dem Diskobesuch ein Pfeifen im Ohr zu hören ist oder man sich fühlt, als hätte man Wasser im Ohr. Das muss aber nach ein paar Stunden verschwunden sein. Wenn diese Probleme anhalten, sollte man sofort einen Arzt aufsuchen.
- Wer sich nicht sicher ist, ob er noch gut hört, kann bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt einen Hörtest machen. Lohnt sich, denn Lärmschwerhörigkeit entwickelt sich oft schleichend und zunächst unbemerkt über viele Jahre hinweg.
Auch bei den Profis piept’s!
Was haben Phil Collins, Sven Väth und Basti von Knee Deep gemeinsam?
Bei denen piept’s im Ohr und zwar ständig. Sie leiden wie viele andere Berufsmusiker und Diskjockeys unter Tinnitus. Das ist ein chronischer Hörschaden, der sich durch ein ständiges Pfeifgeräusch im Ohr äußert. Tinnitus entsteht unter anderem als Folge eines Hörsturzes und ist dann nicht mehr heilbar.
Mehr darüber lest ihr im Artikel über Tinnitus. Dort erzählen Berufsmusiker, was sie gegen das Fiepen im Ohr unternehmen.




![[Logo] www.jugend-arbeitsschutz-preis.de](/images_nextline/JAZ_Farbe.gif)
