
Juli 2005
Cannabismissbrauch: "Ich hab´alles voll im Griff"
Immer mehr und immer jüngere Jugendliche kiffen bis zum totalen Absturz. In der Schule, zu Hause, in der Disco, auf der Straße, auf Partys: Der Zug am Joint ist cool, die Folgen von regelmäßigem Konsum werden meistens verharmlost und unterschätzt.Turbo Gras
Wer vor Cannabis-Konsum warnt, erntet oft nur ein müdes Lächeln. Alkohol sei schließlich viel gefährlicher, heißt es dann. Selbst Eltern zeigen vereinzelt Verständnis, wenn aus dem Zimmer des Nachwuchs typisch süßliche Düfte dringen, so nach dem Motto: Wir haben früher doch auch manchmal einen Joint geraucht und geschadet hat es nix. Nur dass in den siebziger Jahren im Hanf gerade einmal drei Prozent des Wirkstoffes THC (Tetrahydrocannabinol) waren, heute ist in den hoch gezüchteten Gewächshausprodukten die bis zu siebenfache Menge enthalten. Was Mutti und Papa zu Hippiezeiten in einem ganzen Joint rauchten,steckt mittlerweile in einem einzigen tiefen Zug an der Wasserpfeife. Außerdem werden die Konsumenten immer jünger. Der Joint vor der Schule ist auch bei Elf- und Zwölfjährigen kein Einzelfall mehr. Und gerade dieses frühe Einstiegsalter birgt enorme, noch völlig unabsehbare gesundheitliche Risiken für die jungen Kiffer.
Je früher, desto schlimmer
Cannabis ist mittlerweile die Nummer Eins unter den illegalen Drogen in Deutschland. Keine andere Droge hat solche Zulaufraten. Man kann lange darüber streiten, ob Cannabis zu Recht oder zu Unrecht verteufelt wird. Dramatisieren soll man den Haschischkonsum zwar nicht, aber eben auch nicht verharmlosen.
Fest steht, dass ein jugendliches Gehirn, das sehr früh mit Rauschmitteln bombardiert wird, regelrecht auf Sucht programmiert wird. Je später also Kinder oder Jugendliche eine Droge ausprobieren, umso größer die Chance, nicht völlig abzustürzen und süchtig zu werden. Ob der erste Joint mit 13 oder 18 Jahren geraucht wird, kann schon entscheidend sein.
Doch nicht so harmlos!
Körperlich abhängig macht Cannabis vermutlich nicht – aber psychisch. Wer merkt, dass er ohne den täglichen Joint nicht mehr auskommt, hat definitiv ein Problem. Die Drogenberatungsstellen haben regen Zulauf von jugendlichen Konsumenten, die schon mit zwölf anfingen und jetzt nicht mehr wissen, wie sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen sollen. Rund 15.000 Konsumenten suchen heute jährlich professionelle Hilfe, fünfmal so viele wie noch vor zehn Jahren. Diese Entwicklung drängt zu einer Neubewertung der oft als völlig harmlos dargestellten „weichen“ Droge Cannabis.




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