
April 2005
Übergewicht - Schwer gewichtig
Mit Übergewicht tut man seinem Körper keinen Gefallen. Wenn die Kilos anfangen nicht nur auf die Knochen, sondern auch auf die Seele drücken, kann professionelle Hilfe nötig sein. Doch was passiert bei einer Therapie, wie geht es einem dabei – und ab wann ist man eigentlich übergewichtig?Essen, bis der Arzt kommt
Im Fernsehen, in Zeitschriften, in der Werbung, einfach überall wimmelt es vor schlanken bis klapperdürren Stars. In der „echten Welt“ aber schleppen immer mehr Jugendliche viele überzählige Pfunde mit sich herum. Dafür gibt es verschiedene Ursachen: Veranlagung, falsche Ernährung, zu wenig Bewegung, Kummer und Frust. Dabei ist Übergewicht am allerwenigsten ein Schönheitsmakel - es kann auf Dauer krank machen.
Ob dick oder dünn – nur zum Teil ist das echte Veranlagung. „Wenn Übergewicht entsteht, spielen genetische, familiäre, individuelle und gesellschaftliche Faktoren zusammen,“, erklärt die Diplompädagogin Margit Küllmer von der Beratungsstelle Balance in Frankfurt am Main. Auch wenn man eine Veranlagung zu Übergewicht erben kann, heißt das nicht, dass die Kinder später zwangsläufig genauso viele Kilos mit sich herumschleppen müssen wie ihre Eltern. Allerdings muss man in einem solchen Fall besonders aufmerksam sein und rechtzeitig die Notbremse ziehen.
Schließlich sind es ja meistens die Eltern, die bestimmen, was zu Hause auf den Tisch kommt und von denen man sich das Essverhalten abguckt. Wenn denn überhaupt noch gemeinsam gegessen wird. „In vielen Familien kommen die Jugendlichen nachmittags nach Hause und können niemandem erzählen, was tagsüber vorgefallen ist. Da ist unkontrolliertes Essen ein wichtiger Seelentröster“, sagt Küllmer. Wer dann in der Freizeit auch noch lieber fernsieht statt beispielsweise sich beim Sport auszutoben, setzt besonders leicht Kummerspeck an.
Ein Schutzpanzer aus Kilos?
Schikaniert und gehänselt zu werden, ist für Übergewichtige häufig an der Tagesordnung. Die Folge: Sie verstecken sich zu Hause, bewegen sich immer weniger und essen aus Kummer noch mehr. Ein Teufelskreis beginnt, aus dem man allein oft nicht herauskommt. Trotzdem wollen viele nicht wahrhaben, dass sie Hilfe brauchen. Die Diplompädagogin weiß aber: „Je früher man etwas unternimmt, desto besser sind die Erfolgschancen.“
Finger weg vom Selbstversuch
Versuche, in Eigenregie abzunehmen, gehen häufig schief. Wenn man plötzlich viel weniger isst, fährt der Körper seinen Energieverbrauch auf Sparflamme zurück – er bekommt nämlich signalisiert: Achtung, es gibt zu wenig Nahrung. Ob Diät oder echte Nahrungsknappheit ist dem Körper dabei egal. Stehen nach der Diät Süßes und Fettes wieder auf dem Speiseplan, will der Körper diese Kalorien für solch schlechte Zeiten bunkern. Das ist der berühmte Jojo-Effekt, der dazu führt, dass viele nach einer Diät mehr wiegen als vorher. Wenn man also auf Dauer schlank bleiben möchte, muss man seine Ernährungsweise insgesamt umkrempeln. Keine leichte Aufgabe, aber mit professioneller Hilfe kann man es lernen und es geht so auf jeden Fall besser als alleine.
Bleib am Ball!
Wer eine Therapie anfängt, hat schon einen großen Schritt in Richtung normales Gewicht und gesundes Essverhalten getan. Aber nach zwei Sitzungen passieren noch keine Wunder: Man muss eine ganze Menge Zeit einplanen, bis das neues Essverhalten in Fleisch und Blut übergegangen ist. Sich aufmerksam beobachten, für jeden Tag einen Essensplan aufstellen und Rückfälle wegstecken - das ist anstrengend und manchmal auch frustrierend. Aber wer konsequent dabei bleibt, hat gute Chancen, nicht einfach nur abzunehmen, sondern sich ein ganz neues Lebensgefühl zuzulegen.




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