März 2004:
Hautschutz: Samtweich und streichelzart
Hautschutz: Nur so funktioniert’s
Hautschutzmittel sollen die Barrierefunktion der Haut unterstützen. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, müssen sie auf den Arbeits- bzw. Schadstoff abgestimmt sein.
Eine grobe Unterteilung ist die Unterscheidung nach
- wassermischbaren Arbeitsstoffen
- nichtwassermischbaren Arbeitsstoffen
- mechanischen Belastungen
- Arbeiten im Nassbereich
- UV-Strahlenbelastung.
Bei wassermischbaren oder wasserlöslichen Arbeitsstoffen (Desinfektionsmittel, Kühlschmierstoffe, Kaltwellenflüssigkeiten) sind Wasser abweisende Hautschutzmittel gefordert. Sie tragen die Kennzeichnung W/O-Emulsion (= Wasser-in-Öl-Emulsion). Diese Emulsionsform hat die Eigenschaft, dass sie wassermischbare oder wasserlösliche Arbeitsstoffe abstoßen und so ihre Schutzfunktion gegenüber diesen Stoffen erfüllen kann. Diese Hautschutzmittel werden auch bei lang andauernden Arbeiten mit Wasser bzw. in Feucht- und Nassbereichen eingesetzt.
Bei nicht wassermischbaren Arbeitsstoffen bzw. wasserunlöslichen Arbeitsstoffen (Ölen, Fetten, organischen Lösemitteln, Oberflächenreinigern, nichtwassergemischten Mineral- und Schneidölen) werden Hautschutzmittel verwendet, die mit O/W-Emulsion (= Öl-in-Wasser-Emulsion) gekennzeichnet sind. Diese Hautschutzmittel sind öl- und fettabweisend und unterstützen so die Barrierefunktion gegenüber öligen und fetten bzw. fettlösenden Arbeitsstoffen.
Jetzt kommt sicherlich der Wunsch nach einem Universal-Hautschutzmittel – ein solches Mittel kann jedoch nicht gleich gut gegen wassermischbare und nicht wassermischbare Arbeitsstoffe schützen! Allerdings gibt es Hautschutzmittel mit einem breiteren Wirkungsspektrum, die bei Arbeiten mit wechselnden Arbeitsstoffen angezeigt sind.
Bei starken mechanischen Belastungen versucht sich die Haut erst einmal selbst zu helfen. Durch eine stärkere Schwielenbildung schützt sie die tiefer liegenden Schichten. Eine Hautschutzsalbe unterstützt die Elastizität. Einrisse der Hornzellschichten können so vermieden werden.
Präparate mit natürlichen oder synthetischen Gerbstoffen unterstützen die Haut durch hornhautfestigende Eigenschaften.
Dies gilt auch bei Arbeiten im Feucht- oder Nassbereich. Das Hautschutzmittel muss Wasser abstoßende Eigenschaften haben (W/O-Emulsion). Zusätzlich sollte es ebenfalls Gerbstoffe enthalten, die dem Aufweichen bzw. dem Aufquellen der obersten Hautschichten entgegenwirken.
Auch bei Tätigkeiten mit atmungsinaktiven Schutzhandschuhen (z. B. aus Gummi oder Polyvinylchlorid) kann durch die Benutzung hornhautfestigender Produkte, welche Gerbstoffe oder Aluminiumchlorohydrate enthalten, die Schweißbildung reduziert werden.
Bei Arbeiten unter natürlicher oder technischer UV-Strahlenbelastung sind spezielle Hautschutzmittel erforderlich.
Der beste Schutz ist:
- Längere Aufenthalte in direkter Sonneneinstrahlung vermeiden.
- Bei direkter Sonneneinwirkung leichte Baumwollkleidung tragen.
Bei allen Fragen hilft der Hautschutzplan weiter. Hautschutzpläne müssen in jedem Betrieb zur Verfügung stehen und am Arbeits- und auch Waschplatz gut sichtbar angebracht sein.
Der Hautschutzplan muss folgende Angaben enthalten:
- Betriebsbereich, Arbeitsverfahren
- Tätigkeit oder Arbeitsstoff
- Sind Schutzhandschuhe vorgeschrieben?
- Produktname des Hautschutzmittels
- Produktname des Hautreinigungsmittels
- Produktname des Hautpflegemittels
- Erläuterungen zur richtigen Anwendung
- Verhalten bei auffälligen Hauterscheinungen
- Wer hilft weiter, falls Fragen auftauchen
Regelmäßige Unterweisungen (Fachkräfte für Arbeitssicherheit, arbeitsmedizinische Dienste oder durch den Unternehmer selbst) bringen Sicherheit für die richtige Anwendung.
Bei allen Unklarheiten heißt die Devise: fragen, immer wieder fragen.
Schutzhandschuhe – den zieh ich mir an!
Bei allen hautbelastenden Arbeiten ist das Tragen von Schutzhandschuhen vorgeschrieben. Entsprechende Betriebsanweisungen müssen in jedem Betrieb vorhanden sein. Die Ausnahme: beim Arbeiten an rotierenden Werkstücken oder Werkzeugen (Dreh-, Bohr- und Fräsmaschinen). Hier besteht die Gefahr, dass der Handschuh erfasst wird.
Es dürfen nur Schutzhandschuhe zum Einsatz kommen, die folgende Angaben aufweisen:
- Größe und Form
- Typenbezeichnung
- Namen bzw. Zeichen des Herstellers
- CE-Kennzeichnung.
Auf dem Handschuh bzw. auf der kleinsten Verpackungseinheit muss ein Piktogramm vorhanden sein, das erkennen lässt, gegen welche Einwirkung der Handschuh schützen soll.
Handschutz (dazu gehören auch Schutzhandschuhe) muss der Unternehmer zur Verfügung stellen, wenn mit Stoffen oder in deren Nähe gearbeitet wird, die zu Hautverletzungen führen oder durch die Haut in den menschlichen Körper eindringen können oder wenn die Gefahr von Verbrennungen, Verätzungen, Verbrühungen, Unterkühlungen, elektrischen Durchströmungen, Stich- oder Schnittverletzungen besteht.
Handschuhe müssen nicht nur passen, sie müssen dem Schadstoff, den gegebenen Temperaturen und der Gebrauchsdauer standhalten können. Genauere Informationen über die Handschuhbeständigkeit, die Tragedauer und eventuelle allergene Inhaltsstoffe kann man bei den Handschuhherstellern erfragen.
Handschuhe dürfen nicht beschädigt sein! Die Innenseiten müssen sauber sein! Handschuhe müssen vor Arbeitsbeginn auf den ordnungsgemäßen Zustand überprüft werden!
Frei liegende Körperpartien (z. B. Unterarme) sollten zusätzlich mit geeigneten Hautschutzmitteln eingecremt werden.
Hautschutzmittel: Vorbeugen ist besser als heilen!
Hautschutzmittel haben die Aufgabe,
- einen schützenden Film auf der Haut zu bilden,
- ohne die natürlichen Hautfunktionen zu beeinträchtigen
- das Eindringen schädigender Stoffe zu verhindern
- die Hautreinigung nach Arbeitsende zu erleichtern.
Sie müssen nach folgenden Gesichtspunkten ausgewählt
werden:
- Gegen welche Einflüsse muss die Haut geschützt werden?
- Gegen stark entfettende bzw. fettlösende Stoffe?
- Gegen auslaugende bzw. wasserlösliche Stoffe?
- Gegen physikalische Einflüsse?
- Wie stark wirken die Schadstoffe auf die Haut ein?
- Welche zusätzlichen Schutzmaßnahmen müssen eingehalten werden?
Welches Hautschutzmittel muss wann zum Einsatz kommen? Hier hilft der Hautschutzplan weiter, der in jedem Betrieb aushängen muss. Unter dem jeweiligen Arbeitsstoff findet man das zu verwendende Hautschutzmittel. Im Zweifelsfall hilft die Fachkraft für Arbeitssicherheit, der arbeitsmedizinische Dienst oder der Vorgesetzte bzw. der Unternehmer weiter!
Einfach nur die Hände eincremen? Nein!
Hautschutzmittel müssen sorgfältig in die Haut einmassiert werden:
Hautschutzmittel mit einem Strang von circa 1 bis 1,5 cm auf einen Handrücken auftragen
Mit den Handrücken beider Hände möglichst gleichmäßig verteilen
Mit den Fingerspitzen der einen Hand in den Fingerzwischenräumen der anderen Hand verreiben
Nagelfalze, Nagelbetten und Fingerkuppen sorgfältig einreiben
Nur so kann ein Hautschutzmittel eine wirksame „Barriere“ gegenüber dem Arbeitsstoff aufbauen!
Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser
Ob das Hautschutzmittel überall dorthin gelangt ist, wo es wirken soll, lässt sich einfach und schnell überprüfen. Hierfür steht ein spezielles Kontrollgerät zur Verfügung, das mittels einer UV-Lampe die Hautstellen aufspürt, die beim Auftragen des Hautschutzmittels vernachlässigt oder gar vergessen wurden.
Um diese Hautstellen entdecken zu können, wird eine Testcreme oder -lotion verwendet, die spezielle fluoreszierende Stoffe enthält. Hautpartien, die nur wenig oder gar nicht eingecremt sind, erkennt man durch eine mangelhafte oder fehlende Fluoreszenz – sie stellen sich dunkelgefleckt oder auch ganz dunkel dar.
Meistens sind es die Problemzonen der Hände, die vergessen werden:
Fingerkuppen, Nagelbetten, die seitlichen Fingerpartien und die Hautpartien zwischen den Fingern müssen besonders sorgfältig eingecremt werden.
Als unser körpereigenes „Hand“-werkszeug müssen die Hände besonders sensibel reagieren, daher ist die Haut in diesen Bereichen sehr feinfühlig und mit weniger Hornzellschichten ausgestattet.
Korrektes Eincremen hilft nicht nur berufsbedingte Hauterkrankungen zu vermeiden, der entstandene Schmutz lässt sich schneller und auch leichter entfernen.
Hautreinigung: Schonend und gründlich
„Viel hilft viel“ – „Je schneller desto besser“ und „Nichts wie weg“ – die Pause bzw. der Feierabend ist da; das kann’s nicht sein. So viel Zeit muss sein, die Devise heißt jetzt: „Je schonender, desto besser!“Arbeit war angesagt – auch für die Haut. Sie hat arbeitsreiche Stunden hinter sich gebracht und verlangt jetzt besondere Aufmerksamkeit.
Das Reinigungsmittel muss nach dem Verschmutzungsgrad und nach den verwendeten Arbeitsstoffen ausgewählt werden. Das Angebot entsprechender Präparate steht zur Verfügung und sollte auch genutzt werden.
Eine unsachgemäße Hautreinigung kann in manchen Fällen schlimmere Folgen haben als ein vergessener Hautschutz. Zu der Methode „Je schneller, desto besser“ zählen z.B. Verdünner, Terpentin und schlimmstenfalls die Drahtbürste! All das hat an der Haut nichts zu suchen.
Technische Lösemittel entfetten nicht nur das Werkstück, sondern auch die Haut und sind somit Wegbereiter für Hauterkrankungen. Dies gilt übrigens auch für scharfkantige Reibekörper, die als „Reinigungsbeschleuniger“ enthalten sein können.
Falsche Reinigungsmittel (dazu kann auch die klassische Seife gehören) verändern den natürlichen Oberflächenfilm in seiner Zusammensetzung. Er kann die ihm zugedachten Aufgaben nicht mehr erfüllen. So genannte Syndets (sie können flüssig oder auch fest sein) haben den Vorteil, dass sie bei sparsamer Anwendung den Eigenschutz der Haut nicht mindern.
Scharfkantige Reibekörper können zu so genannten „Mikroverletzungen“ in den obersten Hornzellschichten führen. So können im wahrsten Sinn des Wortes „Tür und Tor“ für alle hautschädigenden Stoffe geöffnet werden.
Durch eine schonende Reinigung kann jeder dazu beitragen, die Abwehrfunktion der Haut zu erhalten.
Es kommt also nicht auf die Schnelligkeit der Reinigung an, sondern auf die richtige Auswahl der Reinigungsmittel. Die Devise muss lauten: effektiv und trotzdem schonend!
Hautpflege: Es geht um mehr
Es hat sich bereits herumgesprochen: Unsere Haut kennt keinen Acht-Stunden-Arbeitstag, sie arbeitet als unser größtes Organ rund um die Uhr. Sie hat zwischen zwei Arbeitstagen lediglich eine kurze Erholungspause, in der sie sich allerdings auf andere Aufgaben konzentrieren muss.
Hautpflegende Inhaltsstoffe (spezielle Fette, Öle, Wachse und Feuchthaltesubstanzen) unterstützen und helfen der Haut, ihre eigenen Regenerationsmöglichkeiten wiederherzustellen.
Hautpflegepräparate sollten immer auf den Hauttyp abgestimmt sein. Eine trockene Haut verlangt eine fetthaltigere Creme oder Salbe. Das Ergebnis der Anwendung sollte ein angenehmes Hautgefühl sein.
„Ich fühle mich wohl in meiner Haut“ – besser kann ein Arbeitstag nicht enden! Wer mag schon ungepflegte Hände und raue Haut am Feierabend?




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