
Juni 2010
Stress? Nicht mit mir
„Ich bin total im Stress!“ Das könnte der meistgesprochene Satz auf der ganzen Welt sein. Doch Stress ist nicht grundsätzlich schlecht, ein Leben ohne ihn wäre ganz schön langweilig. Der springende Punkt ist: Stress darf nicht zum Dauerzustand werden und uns aus dem inneren Gleichgewicht werfen.
Foto: Brand X Pictures
Wichtiger Ausgleich
nach einem stressigen
Tag: Mit Spaß auspowern.

Die einen laufen Marathon, die anderen atmen in ihre Körpermitte: Es gibt viele Methoden, Anspannungen abzubauen und den Körper wieder ins Lot zu bringen. Was aber sind die besten? Next fragt jemanden, der es wissen muss: Hans-Peter Greif leitet seit vielen Jahren Anti-Stress-Seminare und coacht Stressopfer.
NEXT: Egal, welche Zeitschrift man aufschlägt, als erstes Rezept gegen Stress werden Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Tai Chi, Yoga und Progressive Muskelentspannung angepriesen. Ist das auch was für junge Leute?
GREIF: Das hängt natürlich von mehreren Faktoren ab. Vorlieben und Persönlichkeitstypen spielen eine große Rolle. Bin ich ein Bewegungstyp, der auf Action und Schweiß steht, oder lasse ich es eher ruhiger angehen? Die klassischen Entspannungsverfahren aus Europa und Asien sind in ihrer Anti- Stress-Wirkung unbestritten sehr hilfreich. Der Eindruck, das sei nur was für Senioren oder „Warmduscher“, entsteht oft schlichtweg aus Unkenntnis.
Wer sichwirklich einmal näher mit diesen Methoden beschäftigt, ist oft nach kurzer Zeit richtig begeistert – unabhängig vom Alter. Natürlich kommt es darauf an, wie das Training präsentiert wird. Auch das als „altbacken“ geltende Autogene Training kann frisch und attraktiv vermittelt werden. Auf der Suche nach einem passenden Kursleiter verschafft man sich am besten erst mal einen Überblick, welche Sportvereine, Volkshochschulen oder Krankenkassen so etwas anbieten – und dann einfach durchschnuppern, bis der Lieblingskurs gefunden ist.

Foto: Christoph & Friends
Voll konzentriert und körperlich
topfit. Kletterer fühlen sich
nach dem Training oft
wie neu geboren
GREIF: Dann ist eine Sportart das Richtige, bei derman sich mit Spaß auspowern kann. Neben den Klassikern wie Fußball, Volleyball, Joggen und Radfahren gibt es zig weitere Möglichkeiten. Zum Beispiel Step-Aerobic – ein Ausdauertraining mit Musik – oder Tae-Bo, eine Fitnesstechnik mit sehr dynamischen Bewegungen aus dem Kampfsport, die in nahezu jedem Fitnessstudio angeboten werden. Sehr beliebt ist auch Climbing oder Bouldern, also Klettern in der Kletterhalle. Das trainiert die Muskulatur, die Koordination und die Konzentration. Auch fernöstliche Budo-Sportarten wie Judo, Karate oder Aikido können wesentlich zu einem harmonischen Leben beitragen, da sie Körper und Geist gleichermaßen stärken. Allerdings erfordern diese Sportarten einen relativ hohen Zeitaufwand und die Disziplin, kontinuierlich dabei zu bleiben. Generell gilt: Egal, was man tut, man sollte es regelmäßig tun. Vor allem Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung müssen über eine längere Zeit geübt werden, nur dann kannman sie in Stresssituationen auch wirklich anwenden.
NEXT: Sport allein reicht aber zur Stressprävention nicht aus, oder?

Foto: Ingram Publishing
Bogenschießen: auf den
Punkt konzentrieren und alles
andere ausblenden. Ein gutes
Training für den Alltag.
STRESS IM JOB UND KEIN ENDE ABSEHBAR?
Haben Sie das Gefühl, in Ihrem Job in einer Stressfalle gelandet zu sein? Dann sollten Sie darüber nachdenken, wie Sie diese Situation ändern können, und sich nicht einfach Ihrem Schicksal fügen. Lassen sich in Ihrer
Abteilung vielleicht Arbeitsabläufe ändern und Kommunikationsstrukturen
verbessern?
Fühlen Sie sich überfordert, weil Ihr Chef Ihnen zu viel zumutet? Egal, um welches Problem es sich handelt, werden Sie aktiv und suchen Sie das Gesprächmit Ihrem Vorgesetzten, dem Betriebsrat oder dem Ausbildungsbeauftragten. Schalten Sie gegebenenfalls erfahrene
Kollegen als Vermittler ein. Vergessen Sie nicht, dass Sie als Auszubildender das Recht auf eine fundierte Ausbildung unter Einhaltung gesetzlich vorgeschriebener Arbeits- und Pausenzeiten haben. Auch wenn dies ein unpopulärer Ratschlag ist: Überlegen Sie notfalls, ob
Sie wirklich bei einem Arbeitgeber bleiben wollen, der ständig gegen Vorschriften verstößt und Sie als „billige“ Arbeitskraft ausnutzt.
Suchen Sie sich auch in Ihrem privaten Umfeld eine Vertrauensperson, die Ihre Sorgen ernst nimmt und Ihnen beisteht. Der Spruch „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ hat durchaus seine Berechtigung. Auch der Hausarzt oder anonyme Telefon- oder Internetberatungsstellen können weiterhelfen.




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