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November 2009

Hightech trifft Handarbeit

Das Zeug einfach irgendwo hinstellen, wo Platz ist, und Schluss? So simpel ist die Arbeit im Lager nicht, wenn sie unfallfrei und reibungslos ablaufen soll.



Hauptsache genug Muckis? Falsch! Mit reiner Muskelkraft hat die Arbeit in modernen Lagern schon lange nichts mehr zu tun. Lagerarbeiter brauchen jede Menge organisatorisches und technisches Know-How, um beispielsweise fahrerlose Flurförderzeuge oder Datenterminals auf Staplern zur Auftragsübermittlung bedienen zu können. In großen Lagern geht Hightech sogar so weit, dass Tore vom Stapler aus per Funkfernbedienung geöffnet und geschlossen werden oder Stapler über einen Sensor so gesteuert werden, dass sie automatisch langsamer oder gestoppt werden, wenn sie einem Gebäudeteil, einer Einrichtung, einem anderen Stapler oder gar einem Menschen zu nahe kommen. Und weil die Anforderungen an Lagerarbeiter in den letzten Jahren stark gestiegen sind, sollten mehr ausgebildete „Fachkräfte für Lagerlogistik“ diese Jobs machen als ungelernte Hilfskräfte – findet auch Dr. Hans-Peter Kany, Sicherheitsexperte von der Berufsgenossenschaft.


Dr.-Ing. Hans-Peter
Kany arbeitet als
Leiter des Sachgebietes
„Flurförderzeuge“
im Fachausschuss
„Förder- und Lager-
technik“ der
Berufsgenossenschaft
für Handel und
Warendistribution.

„Ausgebildete Fachkräfte sind immer noch selten“



Herr Dr. Kany, es gibt seit einigen Jahren den Ausbildungsberuf „Fachkraft für Lagerlogistik“. Ist er mittlerweile weit verbreitet oder ist Lagerarbeit immer noch eher etwas für Ungelernte?
Im Lager werden leider immer noch häufig Hilfskräfte eingesetzt, die nur kurz in ihre Aufgaben eingewiesen werden.

Hat das Ihrer Meinung nach Auswirkungen auf die Unfallhäufigkeit und -schwere?
Das liegt doch auf der Hand: Schlecht oder gar nicht ausgebildete Mitarbeiter können mögliche Gefährdungen nicht so gut und schnell erkennen wie Fachleute. Und sie wissen dann auch nicht, was zu tun ist.

Wo kommt es denn im Lager zu den meisten Unfällen?
Beim innerbetrieblichen Transport und Verkehr. Und dort vor allem in den Bereichen, in denen sich gleichzeitig Personen und Flurförderzeuge aufhalten, beispielsweise in Regalgassen.

Und was passiert genau?
Bei den meisten Unfällen werden Personen, bauliche Einrichtungen wie Regale, Wände, Tore oder auch Transportmittel wie Flurförderzeuge angefahren. Beim Umgang mit Mitgänger-Flurförderzeugen ist vor allem der Fahrer selbst gefährdet. Er kann beispielsweise seine eigenen Füße überfahren oder sich die Beine einklemmen. Beim Gabelstapler mit Fahrersitz wird es in erster Linie für das Umfeld gefährlich. Die Verletzungen reichen hier von Fußverletzungen bis hin zu Quetschungen des ganzen Körpers, im Einzelfall mit Todesfolge. Der Fahrer selbst kann mit seinem Gabelstapler umkippen, zum Beispiel wenn er zu schnell in eine Kurve fährt. Dabei kommt es insbesondere dann zu schweren, ja sogar tödlichen Verletzungen, wenn die Fahrerrückhalteeinrichtung nicht benutzt wurde. Gibt es noch andere Unfallursachen? Natürlich, zum Beispiel wenn Lagerarbeiter die vorgeschriebenen Persönlichen Schutzausrüstungen wie Sicherheitsschuhe nicht tragen, mit Lasten unsachgemäß umgehen oder Leitern nicht vorschriftsmäßig benutzen.


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