
Juli 2009
Computersucht
Es gibt Menschen, die einer neuen Abhängigkeit verfallen und dabei ihr reales Leben völlig aus dem Blick verlieren: Computersüchtige. Etwa fünf Prozent der 40 Millionen deutschen Internetnutzer sollen schon jetzt betroffen sein, so eine Studie der Humboldt-Universität in Berlin.„[…] meine Eltern sehe ich eigentlich nur noch flüchtig, wenn ich mein Zimmer verlasse, um schnell in den Spielpausen auf Toilette zu rennen. Die wenige Bewegung hat sich auch bemerkbar gemacht […] ich hab einen ganz schön dicken Bauch bekommen und wieg jetzt 95 kg. Ich trag meine Haare jetzt länger, weil ich eh nie Zeit finde, zum Friseur zu gehen.Warum auch!? Eine Freundin hab ich schon lang nicht mehr und ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzteMal auf einer Party war. Dafür bin ich ein Organisationstalent geworden, was den Alltag angeht, denn alles wird anhand der Spielzeiten meiner Gilde angepasst, auch wenn ich nun mein reales Leben nach dem virtuellen richte und nicht mehr umgekehrt. Ich bin abends sieben Stunden, sechs Tage die Woche mit einer 40-köpfigen Armee unterwegs und bereite mich darauf vormittags in der Uni acht Stunden vor.“
So beschreibt ein 24-Jähriger1 seine Erfahrungen mit dem Computerspiel „World ofWarcraft“. Das Beispiel zeigt, dass der Übergang vom harmlosen Internetspielen zum übermäßigen Dauerkonsum fließend ist und durchaus in der Sucht enden kann. Auch Chatten, Online-Einkaufen oder Internetpornografie können süchtig machen. „Von der Internet- und Spielsucht sind hauptsächlich Jungs, männliche Jugendliche und junge Erwachsene betroffen“, erklären die beiden Diplom-Psychologen KlausWölfling und Kai W.Müller von der Johannes-Gutenberg-Universität,Mainz. Eines muss aber klar sein: Nicht jeder, der lange vorm Computer sitzt, ist abhängig. Doch woran erkennt man, wer auf demWeg ist, sich in der virtuellenWelt zu verlieren? Charakteristische Merkmale sind eine zunehmende soziale Isolation, die völlige Ausrichtung des realen Lebens auf das virtuelle Spiel und damit verbundene gesundheitliche Probleme.
Rückzug aus der Realität Computersüchtige ziehen sich Schritt für Schritt aus ihrem sozialen Umfeld zurück: Freundschaften und Hobbys werden zum Teil oder ganz aufgegeben. „Die Person isoliert sich und vermisst den sozialen Kontakt auch nicht“, erläutert Klaus Wölfling. Die Kommunikation verlagere sich von der realen in die virtuelle Welt.




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