
November 2008: Gehörschutz
Artenvielfalt
Gehörschutz muss passen - zur Lärmquelle, Arbeitsumgebung, Tätigkeit und zum Benutzer. Denn nur Gehörschutz, der passt und nicht belastet, wird gern und ständig getragen.„Die Dinger nerven!“ Mangelnder Tragekomfort ist das häufigste Argument von Beschäftigten, die ihren Gehörschutz nicht konsequent tragen. Ziemlich kurz gedacht: Sind die Ohren nämlich durch zu viel Lärm erst einmal geschädigt, ist dies in vielen Fällen nicht mehr reparabel. Lärmschwerhörigkeit ist nicht heilbar.
Besonders problematisch ist aus Sicht der Arbeitsmediziner und Ohrenärzte, dass immer mehr Jugendliche bereits mit nachweisbaren Hörschäden ihre Ausbildung beginnen. Der Grund? Ein für die Ohren stressiges Freizeitverhalten mit zu lauter Musik im Club, auf Konzerten, per MP3-Player und insgesamt zu wenig Ruhepausen. Wer dann noch die Gefahren ignoriert, die von zu lauten Lärmquellen am Arbeitsplatz ausgehen, muss sich nicht wundern, wenn sich die feinen Hörzellen in seinem Ohr irgendwann auf Nimmerwiederhören verabschieden.
Ab wann ist Gehörschutz Pflicht?
Wenn sich trotz aller technischen und organisatorischen Bemühungen – also beispielsweise durch die Kapselung einer lauten Maschine in der Produktionshalle oder die Verlegung eines mobilen, lauten Arbeitsplatzes weg vom restlichen Gewerk – der Lärm am Arbeitsplatz nicht unter 85 dB(A) drücken lässt, sind die Beschäftigten verpflichtet, Gehörschutz zu tragen. Bereits ab 80 dB(A) ist der Arbeitgeber sogar verpflichtet, Gehörschutz zur Verfügung zu stellen – für alle, die ihn da schon tragen wollen. Zu erkennen sind solche „Lärmbereiche“ eigentlich ganz einfach. Sie müssen nämlich mit dem Gebotszeichen „Gehörschutz benutzen“ gekennzeichnet werden. Auch mobile Arbeitsmaschinen können dieses Zeichen tragen, beispielsweise ein Presslufthammer.Leider wird der Gehörschutz oft als störend und unbequem empfunden. Doch bei mehr als 400 unterschiedlichen Gehörschutzmitteln, die auf dem Markt erhältlich sind, sollten sich welche finden lassen, die nicht nur gut passen und komfortabel sind, sondern auch ihren Zweck erfüllen und effektiv dämmen. Am besten klappt die Auswahl, wenn sich die Verantwortlichen im Betrieb mit den Mitarbeitern und eventuell den Experten der Herstellerfirmen zusammensetzen, sich unterschiedliche Produkte anschauen und dann den passenden Schutz auswählen.
Bequem – wirksam – verträglich
Die Vielfalt der angebotenen Gehörschützer zeigt vor allem eines: Es gibt ihn nicht, den einen wahren Gehörschutz, der immer und für alle Benutzer, Arbeitsbereiche und Tätigkeiten passt. Dazu sind die Faktoren, die bei der Auswahl eine Rolle spielen, zu vielfältig. Zu beachten sind nämlich- die Arbeitsumgebung (z. B. Temperatur, Staub, muss man Warnsignale wahrnehmen können?)
- die Art der Tätigkeit (z. B. schwere körperliche Arbeit)
- ob noch andere Persönliche Schutzausrüstungen wie Schutzbrille oder Schutzhelm zu tragen sind
- medizinische Auffälligkeiten (z. B. zu enge Gehörgänge, Ohrerkrankungen)
- die Höhe der Lärmeinwirkung.




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