Abwehrende Haltung

Juli 2008: Gewalt bei der Arbeit

Tatort Arbeitsplatz

Bloß nicht provozieren lassen

Wohl kaum jemand rechnet damit, an seinem Arbeitsplatzmassiv bedroht, beleidigt oder gar geschlagen zu werden. Schlagzeilen machen nur spektakuläre Einzelfälle wie ein Amoklauf in einer Schule oder ein bewaffneter Überfall auf eine Bank. Doch das Phänomen Gewalt betrifft mehr Berufsgruppen, als man annimmt.


Gewalt am Arbeitsplatz hat viele Gesichter: Von der mobbenden Kollegin zur sexuellen Anmache des Chefs bis hin zu verbalen oder tätlichen Angriffen, die im Supergau gipfeln: dem bewaffneten Überfall auf Sicherheits-, Bank- oder Verkaufspersonal. Psychologen unterscheiden zwischen der Gewalt, die innerhalb des eigenen Betriebes ausgeübt wird – also durch Kollegen und Vorgesetzte – und Gewalt von „außen“. Letztere beinhaltet alle Formen von physischer Gewalt sowie verbale Beleidigungen und Bedrohungen, die von Außenstehenden – zum Beispiel Kunden und Patienten – ausgehen.

Wie jeden Tag will Altenpflegerin SandraW. den 78-jährigen, dementen Werner F. waschen. Und wie jeden Tag sträubt sich der alte Herr. Als Sandra mit dem Waschlappen in der Hand das Zimmer betritt, sieht er gerade seine Lieblingssendung im Fernsehen. Er grummelt unwillig und wehrt sie ab. Sandra wird ungeduldig, ihr läuft die Zeit davon. Sie greift energisch zur Bettdecke und zieht sie zurück. Der alte Mann schlägt wild mit den Armen um sich – und trifft Sandra mitten ins Gesicht.

Wen kann es treffen?


Als besonders gefährdet gilt der ganze Dienstleistungssektor, insbesondere alle Beschäftigten, die im Gesundheits-, Verkehrs-, Einzelhandels-, Finanz- und Bildungssektor arbeiten. Der direkte Kontakt mit „Kunden“ erhöht natürlich das Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. Folgende Berufe bergen ein besonderes Gewaltrisiko: Krankenschwestern
und -pfleger, insbesondere in psychiatrischen Einrichtungen und in der Altenpflege, Angestellte in Banken, Post und Sparkassen, Kassierer, Kontrollpersonal wie Politessen, Taxi-, Bus- und Straßenbahnfahrer, Angestellte, die im Haus des Kunden Reparaturen durchführen, Personal in Ämtern mit Publikumsverkehr, zum Beispiel Arbeitsamt, Sozialamt, Ordnungsamt, Personal von Sicherheitsdiensten, Kuriere, Polizeibeamte, Sozialarbeiter, Strafvollzugspersonal.

Maike S. arbeitet im städtischen Bürgerbüro und muss einem Mann erklären, dass sein vor Wochen beantragter Reisepass immer noch nicht fertig ist. Der Mann schimpft auf die öffentliche Verwaltung und fängt an, sie persönlich zu beleidigen. Die junge Frau versucht, ihn zu beruhigen, aber der Mann steigert sich in seinen Zorn hinein und spuckt ihr ins Gesicht, bevor er aus dem Raum stürmt.

Was sind die Risikofaktoren?


Natürlich kann man schlecht voraussagen, ob und wann jemand Opfer einer gewalttätigen Handlung wird. Es gibt aber durchaus Situationen mit einem erhöhten Risiko.Wer zum Beispiel an seinem Arbeitsplatz mit Geld und Wertsachen umgeht oder Zugang zu Rauschmitteln und Medikamenten hat, muss eher mit Übergriffen rechnen als eine Büroangestellte. Riskant sind auch Arbeitsplätze, an denen jemand ganz alleine arbeitet, sowie nächtliche Arbeitszeiten und die Ausübung von Inspektionen, Kontrollen und allgemeine „Autoritätsfunktionen“, wie bei der Polizei oder auf dem Jugendamt. Auch jemand, der oft direkten Kundenkontakt hat, sollte wissen, was im Falle eines Konfliktes zu tun ist.

Heiko K. hat Nachtdienst als Busfahrer. An einer Haltestelle steigt eine Gruppe betrunkener und aggressiver Jugendlicher in seinen Bus. Sie pöbeln ihn an und drohen, ihn „kalt zu machen“, wenn er keinen kleinen Umweg für sie macht. Heiko hat Angst und tut, was die Jugendlichen wollen. Als sie endlich den Bus verlassen, fühlt er sich hilflos, gedemütigt und wie ein Versager.


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Frauen, die sich zanken

 

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