
April 2008
Elektrischer Strom auf Bau- und Montagestellen
Nur nicht auf der Leitung stehen!
Auf jeder Baustelle werden unzählige Geräte, Werkzeuge und Maschinen mit Strom betrieben. Das Planen, Installieren und Prüfen der elektrischen Anlagen erfordert Know-how und gehört in die Hände von Profis. Aber auch jeder Beschäftigte muss wissen, wie er auf einer Baustelle richtig mit Strom umgeht, was er soll und darf – und was nicht.Physikunterricht fünfte Klasse: Strom fließt nur in einem geschlossenen Stromkreis. Für den menschlichen Körper wird es erst dann gefährlich, wenn er selber Teil dieses Kreises wird und der elektrische Strom durch ihn hindurchfließt. Je nach Stromstärke und Einwirkungsdauer (Zeit) reagiert der Körper unterschiedlich – vom unangenehmen Kribbeln in den Fingern bis hin zu Muskelzuckungen oder schlimmstenfalls tödlichem Herzkammerflimmern.
„Die meisten Menschen unterschätzen einfach die Gefahren, die von elektrischem Strom ausgehen. Sie springen einem ja auch nicht so ins Auge wie beispielsweise die scharfe Kette einer Motorsäge“, erklärt Diplomingenieur Ewald Weichenmeier von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) in München. Rein zahlenmäßig spielen Unfälle im Zusammenhang mit elektrischem Strom keine allzu große Rolle. Das Problem ist allerdings, dass fast jeder Stromunfall sehr ernste bis tödliche Folgen haben kann.
Jährlich sterben zehn bis fünfzehn Menschen auf Baustellen bei Stromunfällen.
Die Ursachen liegen für Weichenmeier auf der Hand: „Da treffen mangelndes Wissen um die Wirkung des Stroms und damit einhergehend ein sorg- und achtloser Umgang mit elektrischen Einrichtungen, Betriebsmitteln und Geräten auf die rauen Bedingungen einer Baustelle.“ Staub, Wasser, Chemikalien, hohe Temperaturen und UV-Strahlung lassen Kabel, Leitungen und Steckvorrichtungen schneller spröde werden. Das wiederum beeinträchtigt ihre Isolationsfähigkeit. Werden dann unter Spannung stehende Teile direkt berührt, kann es brenzlig werden. Eine andere, typische „Baustellen- Gefahr“: Die Arbeiter, zum Beispiel beim Gerüstbau, halten den Sicherheitsabstand zu Frei- und Fahrleitungen nicht ein.
Gefährlich wird es auch, wenn man mit spannungsführenden erdverlegten Leitungen in Kontakt kommt, die durch Baumaschinen oder Einschlagen spitzer Gegenstände beschädigt wurden. „Statt flexible Leitungen hochzuhängen oder durch Bohlen zu schützen, liegen diese auf vielen Baustellen einfach auf dem Boden“, berichtet Weichenmeier und erklärt auch gleich, was dann passiert: „Baufahrzeuge überfahren sie, die Isolation geht kaputt oder die Leitungen werden durch spitze, scharfe Gegenstände beschädigt.“ Was vielen Arbeitern nicht bewusst ist: Schon geringe Stromschläge können so genannte Sekundärunfälle verursachen. Man erschrickt, zuckt zusammen und stürzt deshalb von der Leiter, einer Treppe oder von einem Gerüst. Oder versteuert sich an einer Maschine.
Der BG-Experte hat schon viele Baustellen besucht und weiß, dass junge, noch unerfahrene Mitarbeiter oft sehr leichtsinnig mit elektrischen Geräten, Maschinen und Betriebsmitteln hantieren. „Sie glauben, ihre privat erworbenen Kenntnisse im Umgang mit Strom machen sie zu Profis. Ein gefährlicher Trugschluss!“ Deshalb ist es wichtig, dass die Arbeiter regelmäßig von ihren Vorgesetzten über die Gefahren unterwiesen werden und vor allem eines beachten: Keine Basteleien und wilden Improvisationen. Im eigenen Interesse ist es wichtig, jedes Gerät, jede Leitung und Steckvorrichtung vor der Benutzung genau anzuschauen und auf sichtbare Schäden zu prüfen. Fällt etwas auf, das Gerät sofort zum Vorgesetzten beziehungsweise zum Fachmann bringen und dort reparieren lassen.




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